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POWDER ROOM TALK, Vol. 6: „Social Media Beauty: Wieviel Einfluss haben Instagram & Co. auf unser Empfinden von Schönheit?

POWDER ROOM TALK, Vol. 6: „Social Media Beauty: Wieviel Einfluss haben Instagram & Co. auf unser Empfinden von Schönheit?

Zum letzten Mal 2019 beschäftigen sich meine liebe Kollegin Karo von frolleinHerr und ich mit einer neuen Frage, die uns nicht mehr aus dem Kopf ging und die wir in unserer Beautykolumne diskutieren wollen. Dieses Mal: „Social Media Beauty: Wieviel Einfluss habe Instagram & Co.auf unser Empfinden von Schönheit?“ wie immer haben wir uns beide unsere Meinungstexte blind zugeschickt und sie vor der Veröffentlichung nicht gelesen. So kann jede von uns ihren echten Send abgeben und ihr bekommt die ungeschönte Wahrheit unserer beiden Beautyhirne. Ich würde sagen: Vorhang auf für die letzten und zugleich sechste Edition unseres ‚Powder Room Talks‘.

Swantje sagt:

Was wir aktuell erleben, ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ein absolutes First in der Geschichte der Menschheit. Eine einzelne App verändert das gesamte Schönheitsempfinden der Menschheit. Ja ja, ich weiß, das ist ein dramatischer Einstieg in eine Kolumne, aber das wart das Erste, was mir gerade in den Sinn kam. Denn nichts anderes hat Instagram, die neben TikTok wohl aktuell beliebteste Social Media App, ja in den vergangenen Jahren gemacht. Uns als Menschen verändert und unseren Blick auf Schönheit gleich mit. Sie verleitet Millionen Menschen tagein, tagaus dazu wertvolle Stunden ihres Tages in der App zu verbringen und schöne, vielmals retuschierte Bilder anzusehen. Was dort konsumiert wird, sind Bilder von Traumstränden, neuen Produkten und eben auch von unfassbar umwerfenden Gesichtern. Schon 2013 war ‚Selfie‘ das Wort des Jahres und seither hat es kaum an Bedeutung verloren. Woche für Woche streunern Selfies von Models, Influencerinnen (ja, auch mir, i know) und Schönheiten durch unsere Feeds und zeigen uns wie schön man sein kann, wenn man sich nur richtig pflegt und gewisse Schmink Skills am Start hat. Augenringe who? Gibt’s teilweise auf Instagram gar nicht. Glatte Haut? Haben eigentlich alle. Volle Haare? Logo, die Extensions und Clip-Ins sieht man ja von vorne gar nicht. Und so haben sich Gesichter in Bestzustand, eine Wallewalle-Mähne und Wespentaillen Jahr für Jahr in unsere Hirne gebrannt und die perfektionierten Optiken sind für uns zum Idealstandard geworden. Alles vollkommen normal. Wenn ich mir nun hier also gleich noch einmal die Frage dieser Ausgabe unserer Beautykolumne stelle, dann kann ich das nach meinen gerade losgelassen Gedanken mit einem ganz klaren JA beantworten.

Instagram und Co. verändern meiner Meinung nach ganz klar unser Empfinden von Schönheit! Sie haben extrem viel Einfluss, vielleicht sogar einen noch nie zuvor da gewesenen!

Ich finde an der Tatsache an sich ist grundsätzlich eigentlich nichts verwerfliches, denn auch viele andere Apps – eigentlich Apps im allgemeinen – verändern Leben und menschliches Empfinden und Verhalten. Die App Calm ermöglicht es vielen, im Alltag Stress zu minimieren und Panikattacken zu regulieren. Mit der Zyklustracking-App Clue kann man seine Periode beobachten und sie hilft beim Schwanger werden. Mit Xiaomi Home kann ich vom Urlaub aus meine zwei Staubsaugerroboter zuhause anwerfen und habe per Knopfdruck eine frisch gesaugte Wohnung. Ihr merkt es schon: alle diese Apps verändern auch unser Verhalten (ich muss nie mehr saugen, beste Erfindung ever!) und beeinflussen unseren Alltag. In meinem Empfinden haben sie aber irgendwie ein positiveres Image und auch besseren Einfluss, weil sie nur positiv optimieren können. Was Instagram & Co. allerdings anrichten (können), wissen wir alle inzwischen.

Depressionen, Konzentrationsschwierigkeiten, Komplexe und eben auch ein getrübter Blick auf Schönheit sind keine Seltenheit.

Gerade über letzteres ärgere ich mich immer wieder, denn viele Beautyblogger missbrauchen Apps wie Facetune oder Photoshop so dermaßen, dass ich Weichzeichner förmlich erkenne. Alex Steinherr, die ehemalige Glamour UK Beauty Direktorin, ist zum Beispiel so eine: sie hat unfassbar gute Haut, keine Frage, und ist in Sachen Skincare ist sie der absolute Profi. Dennoch kann sie ihre Finger nicht vom beliebten Weichzeichner lassen und so sehe ich, als jemand der sich viel mit Bildbearbeitungsprogrammen beschäftigt, immer wieder wie der Weichzeichner von der Gesichtshaut in den Haaransatz ‚gerutscht‘ ist. Das blöde daran: es merkt fast niemand. Den meisten Follower/-innen fehlt natürlich das Auge dafür und so glaubt man schlichtweg, dass Alex einfach die aller geilste Haut hat. Gut für sie, schlecht für die Follower/-innen. Denn was das mit dem Empfinden für Schönheit macht, liegt auf der Hand.

Es trübt den Blick.

Für mich sind Instagram und Co. diesbezüglich eine riesige Gefahr, wobei ich auch froh bin, dass sich in den vergangenen Jahren ja auch eine ganz klare Gegenbewegung geformt hat. ‚Für mehr Realität auf Instagram‘ heißt das dann. Oder schlichtweg #nofilter. Ob das dann immer so stimmt, muss jeder für sich selbst glauben oder eben doch mal genauer hinsehen, wenn jemand Ende 30 keine einzige Falte um die Augen hat und die Haut wie pures Porzellan glänzt. Es ist wie bei vielen Dingen im Leben: hinsehen, hinterfragen, reflektieren und am Ende eben auch nicht alles glauben. Wie immer macht’s auch hier die Mischung. Tagtäumen darf man natürlich, aber manchmal lohnt sich auch ein Blick in den Realitätsspiegel: wie sehen die Menschen und Freunde um mich herum aus? Was ist realistisch und was utopisch? Und wie will ich eigentlich aussehen?

Am Ende haben wir, also die User, genauso die Macht das Rad wieder rumzureissen und das alles wieder ins Lot zu bringen. Wir müssen’s nur tun.

Karo sagt

Als ich 12 war habe ich mir von einer Schneiderin einen zusätzlichen Stoffstreifen in meine Schlaghose von Miss Sixty einnähen lassen, damit sie noch mehr Schlag hat. Einfach weil ich das schön fand. Und wieso fand ich das schön? Weil die Mädchen, die ein paar Jahrgänge über mir waren, genau solche Hosen trugen. Heute, fast 20 Jahre später läuft das Spiel genauso. Aber statt durch die Handvoll Mädchen aus meiner Schule, wird mein ästhetisches Empfinden hinsichtlich Design, Mode und auch Beauty, von unzählig vielen Bildern, Accounts und Frauen geprägt, die durch Instagram & Co. den wortwörtlichen Einfluss auf mich nehmen. Ich lasse mich wohlwissend inspirieren, liebe es neue Trends, Looks oder Kombinationsmöglichkeiten zu entdecken und setze das ein oder andere dann genauso oder ähnlich für mich selbst um.

Von neonfarbenen Nägeln, über farbige Strumpfhosen bis zu Oversize-Blazern – die Inspiration auf Instagram scheint schier endlos zu sein und genau das liebe ich so. Aber ist Euch auch schon mal aufgefallen, dass man sich dabei ertappt, wie man einen Look abspeichert und denkt „Oh, den will ich genauso tragen!“, wobei man noch Wochen zuvor beim Anblick dieses oder eines ähnlichen Looks dachte „Ach du scheisse – wie sieht das denn aus?“. Na? Schon mal passiert? Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige von Euch jetzt hinter Ihrem Screen nicken, denn: Das, was wir regelmäßig sehen, wird uns nach und nach vertraut, prägt unser persönliches Empfinden von Schönheit und weckt eine gewisse Begehrlichkeit.

Genauso wie ich vor 20 Jahren der festen Überzeugung war, dass ich unterhalb meiner Knie einen Schlag von der Größe einer Käseglocke brauche, sind es heute bestimmte Labels, Farben oder Silhouetten.

Was in Sachen Mode allerhöchstens meinem Geldbeutel schadet, erreicht beim Theme Körperform oder Aussehen allerdings ganz andere Dimensionen. Denn: Instagram hat hier ein Idealbild geprägt, das inzwischen echte Allgemeingültigkeit erlangt hat: Volle Lippen, glattgebügelter Teint, hohe Wangenknochen und Katzenaugen. So (oder so ähnlich) sieht es aus – das typische Insta-Girl. Und da wir genau diesen Stereotyp so oft visuell serviert bekommen, hat dieser auch Einfluss auf unser Schönheitsempfinden. Inzwischen gibt es zahlreiche Studien, die belegen, dass die sozialen Medien das Schönheitsbild einer ganzen Generation prägen und damit auch Minderwertigkeitsgefühle und mentale Probleme fördern.

Ich sags ganz ehrlich: Ich möchte im Instagramzeitalter kein Teenie sein.

Wenn ich mir vorstelle, dass ich in einer solch prägsamen und unsteten Phase wie der Pubertät oder dem jungen Erwachsenenalter, in der man sich noch nicht gefunden hat und sehr von der Meinung anderer abhängig ist, umgeben wäre von eben jenem Idealbild einer Frau – ich würde es schlicht und einfach nicht packen. Während wir uns früher noch Schulkameradinnen oder diese eine Lieblings-Serienschauspielerin zum Vorbild genommen haben, sind die jungen Mädchen heute mit vermeintlich „normalen“ Girls konfrontiert, die mit Hilfe von Filtern, Facetune & Co. eine so unrealistische Perfektion verkörpern, dass man doch kaum anders kann, als sich minderwertig zu fühlen.

Klar – volle Lippen und eine glatte Haut finde ich auch schön. Schließlich bin ich der Gehirnwäsche-Industrie genauso ausgeliefert, wie alle anderen. Aber als Blogger kenne ich mich mit Lightroom, Photoshop und Facetune zum Glück gut genug aus, um zu wissen, wie einfach die digitale Selbstoptimierung ist, und dass jedes dieser Girls hier und da (mindestens) den ein oder anderen Pickel wegstempelt. Ich selbst fühle mich, was mein Schönheitsideal angeht, zum Glück nicht unter Druck gesetzt, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es viiiielen Frauen da draußen, insbesondere jungen Mädchen, ganz anders geht.

Und ich frage mich ehrlich, wo das noch hinführen soll.

Wie in so vielen kritischen Bereichen der sozialen Medien, sehe ich die einzige Lösung in der Stärkung der Konsumenten. Auch wenn mir natürlich bewusst ist, dass das im Fall von Minderjährigen deutlich schwerer wird. In unserer Zeit, in der uns so viel serviert, präsentiert und vorgegaukelt wird, führt in meinen Augen kein Weg an der Eigenverantwortung vorbei. Das heißt: Selektieren, reflektieren und Konsequenzen ziehen. Lässt Euch Euer Feed schlecht fühlen? Dann wird es Zeit radikal auszusortieren! Mir ist schon klar, dass das manchmal leichter gesagt als getan ist – aber in der derzeitigen Situation führt in meinen Augen kein Weg daran vorbei.

Vielleicht kommt Instagram irgendwann mit neuen Programmen und Richtlinien daher, die die Präsentation von unrealistischen Schönheitsidealen einschränkt. Vielleicht aber auch nicht. Bis dahin bleibt uns Konsumenten nichts anderes übrig, als auf unseren gesunden Menschenverstand zu vertrauen, die Augen im echten Leben offen zu halten und Realität mit den sozialen Medien abzugleichen. Ein echter Reality Check sozusagen. Zumindest dann, wenn es um unsere mentale Gesundheit geht. Solange es sich, wie in meine Fall, lediglich um Taschen, Schuhe oder Kleidung handelt, die sich durch das konstante visuelle Training in mein Haben-Wollen-Zentrum im Gehirn eingebrannt haben, sage ich: Go for it! Steht aber Euer Selbstwertgefühl auf dem Spiel, müssen härtere Geschütze aufgefahren werden.

Verdammt bin ich froh, dass ich heute keine 17 mehr bin.

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